Aragón im Nordosten Spaniens gehört zu den traditionsreichen Weinregionen des Landes und ist dennoch international weniger bekannt als etwa Rioja oder Ribera del Duero. Der Weinbau hat hier jedoch eine sehr lange Geschichte, die bis in die Zeit der Römer zurückreicht, als bereits Reben an den Hängen der Pyrenäen und entlang des Ebro-Flusses kultiviert wurden. Im Mittelalter wurde der Weinbau durch Klöster weiterentwickelt und spielte eine wichtige Rolle im lokalen Handel.
Heute ist Aragón in mehrere geschützte Herkunftsgebiete (Denominaciones de Origen) unterteilt, darunter Somontano, Cariñena, Campo de Borja und Calatayud. Jede dieser Regionen hat ihre eigenen Besonderheiten. Somontano im Vorgebirge der Pyrenäen ist eher kühl geprägt und produziert elegante, fruchtbetonte Weine, oft auch mit internationalen Rebsorten wie Chardonnay oder Cabernet Sauvignon. Cariñena hingegen ist eine der ältesten DOs Spaniens und bekannt für kräftige, strukturierte Rotweine, die häufig aus Garnacha und Tempranillo bestehen. Campo de Borja wird sogar als „Imperium der Garnacha“ bezeichnet, da diese Rebsorte hier besonders hochwertige, intensive Weine hervorbringt. Calatayud schließlich liegt höher und produziert konzentrierte, aromatische Weine von alten Rebstöcken, die oft sehr komplex und langlebig sind.
Die Qualitätsstufen reichen von einfachen, alltagstauglichen Weinen bis hin zu sehr hochwertigen Reservas und Gran Reservas, die lange reifen und ein hohes Alterungspotenzial besitzen. Insgesamt ist der Weinbau in Aragón geprägt von großer klimatischer Vielfalt: heiße, trockene Sommer, kalte Winter und große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sorgen für intensive Aromen und eine gute Balance zwischen Frucht und Säure.
So verbindet Aragón heute eine alte Weintradition mit moderner Kellertechnik und einer wachsenden internationalen Anerkennung, insbesondere für seine charakterstarken Rotweine.
